„Haben ist besser als Brauchen“
Quelle: privat
Max Kiener ist Zimmermeister und Vorstandsmitglied der Zimmerer-Innung Dachau/Fürstenfeldbruck. Sein Betrieb, die Zimmerei Kiener in Emmering, besteht seit 1912 und wird mittlerweile in fünfter Generationgeführt. Vor kurzem hat er erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht mit dem neuen Nachhaltigkeits-Piloten unseres Verbands erstellt.
Im betrieblichen Alltag hat man meist andere Sorgen als Nachhaltigkeitsberichte und CO₂-Bilanzen. Was war Ihre erste Reaktion, als Sie vom Nachhaltigkeits-Piloten gehört haben?
Aha, das schaue ich mir mal an. Meine erste Reaktion war ehrlich gesagt eine Mischung aus Skepsis und Neugier. Erstmals habe ich im Jahr 2025 auf der Bezirksversammlung davon gehört und dachte mir zunächst: ‚Jetzt kommt der Verband schon wieder mit so einem Thema.‘ Gleichzeitig wollte ich aber wissen, was genau dahintersteckt. Ich habe darüber nachgedacht und mir gesagt, dass es gut wäre, etwas in der Hand zu haben, falls Kunden, Partner oder Behörden entsprechende Informationen wünschen.
Was hat den Ausschlag gegeben, den Nachhaltigkeits-Piloten für Ihren Betrieb zu nutzen?
das Tool von offizieller Seite kommt und vom Verband gemeinsam mit einer externen Fachstelle, der Gesellschaft für Klimaschutz München, entwickelt wurde. Das hat bei mir Vertrauen in den Nachhaltigkeits-Piloten geschaffen. Der Bericht zeigt so nach außen: Der Betrieb macht sich die Mühe, lässt von Dritten draufschauen und arbeitet transparent.
Wie haben Sie die Arbeit mit dem Tool erlebt?
Insgesamt war das gut machbar. Die Menüführung ist übersichtlich, und wenn man weiß, wo welche Daten zu finden sind, ist der Zeitaufwand nicht dramatisch. Mit zwischenzeitlichem Suchen hat es insgesamt etwa eine bis eineinhalb Stunden gedauert. Sehr positiv war im Nachgang das Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Gesellschaft für Klimaschutz München. Dabei konnten viele offene Fragen zum anfänglichen Nachhaltigkeitsbericht geklärt werden. Zudem gab es Feedback zu den Betriebsdaten und zum Bericht.
Welche Zahlen oder Ergebnisse haben Sie besonders überrascht oder nachdenklich gemacht und warum?
Überrascht hat mich vor allem der Dieselverbrauch bei unseren Fahrzeugen. Auch die Entsorgungsmengen waren interessant, etwa beim Papier. Solche Zahlen sieht man im Alltag sonst nicht auf einen Blick. Der Bericht hilft, genauer hinzuschauen. Im Zuge dessen haben wir unsere Beleuchtung weiter optimiert und zusätzlich Bewegungsmelder eingebaut.
Wenn Sie auf die Bauwirtschaft in den kommenden Jahren schauen: Welche Bedeutung werden solche Nachhaltigkeitsnachweise aus Ihrer Sicht für Betriebe wie Ihren bekommen?
Wir Zimmerer arbeiten seit jeher mit einem nachhaltigen Baustoff und klimaschonenden Bauweisen. Für andere Gewerke ist das deutlich schwieriger. Wenn wir hier diesen Vorteil unserer Arbeit betonen und uns mit anderen vergleichen, haben wir einen Wettbewerbsvorteil. Und wenn solche Nachweise irgendwann stärker eingefordert werden, gilt für mich: Haben ist besser als Brauchen. Wenn es einmal Pflicht wird, bin ich vorbereitet. Und wenn man den Bericht regelmäßig aktualisiert, wäre das für mich auf jeden Fall ein Ansporn, die eigenen Emissionen jedes Mal weiter zu reduzieren.